Audiografie - Lebensgeschichten & mehr

Audiografie - Lebensgeschichten & mehr

Eine Sammlung von Ingo Stoll Audiografie

Transkript

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00:00:00: Ilka Seehausen Ich wurde kürzlich gefragt: Wie war denn eigentlich deine Ausbildung zur Audiografin? Großartig! Fantastisch! Unterschwellig schwingt in mir immer eine Gänsehaut, weil diese Faszination der Audiografie mich so gepackt hat.

00:00:26: Ilka Seehausen Ich kann sagen, dass ich mich zu jedem Zeitpunkt der Ausbildung in guten Händen gefühlt habe. Ich fühlte mich sicher, ich fühlte mich verstanden und ich fühlte mich aufgehoben, weil Ingo einfach eine Art hat, in einer ganz ruhigen Form tatsächlich auch, und oft, wir haben auch viel gelacht, sehr humorvoll, die das Ganze locker macht und Keine Frage war irgendwie skurril oder ungewöhnlich oder die, der Gedanke, dass ich das nicht fragen darf, sondern ich hatte immer den Raum dafür und das fand ich persönlich sehr bereichernd.

00:01:17: Ilka Seehausen Und jeder einzelne Abschnitt der Ausbildung hatte einfach was ganz Besonderes. Es hat was mit mir gemacht. Beginnt mit dem Aufruf, den ich gestartet habe, um ein Projekt zu bekommen. Das erste Recording, in dem mir Sachen durch den Kopf gingen. Funktioniert das mit der Technik?

00:01:38: Ilka Seehausen Ja, funktioniert einfach alles, ist glaube ich die grundlegende Frage. Und das hat alles einfach, das war einfach gar kein Thema, weil auch da Ingo einfach immer gesagt hat, Du musst nicht perfekt sein, sei einfach authentisch und echt. Alles andere fügt sich von ganz allein. Und genauso war es final auch. Als ich in die Geschichte dieses Menschen eintauchen durfte und diesen Zugang Zutritt gewährt bekommen habe, ganz tief im Leben dieses Menschen zu sein, war das etwas ganz Besonderes.

00:02:21: Ilka Seehausen Denn wir waren uns ja im Grunde fremd, und doch war eine unfassbare Vertrautheit da, als würden wir uns schon ewig kennen. Das macht natürlich unglaublich viel aus. Mir war auch bewusst, dass ich eine Verantwortung habe für diese Lebensgeschichte. Denn final ist es ja so, das, was ich aus dieser Lebensgeschichte entwerfe, ist das, was entweder der Erzählende selbst bekommt oder aber eben auch im Nachgang Angehörige, Freunde. Und das ist ganz wichtig, sich das bewusst zu machen.

00:03:20: Ilka Seehausen Mich hat diese Lebensgeschichte auch bewegt. Sie hat was mit mir gemacht, weil ich ja einen Menschen dahinter entdecke. Ich kann spüren und hören, wie ist dieser Mensch, der mir gerade was erzählt, und es ist ein bisschen als würde der Erzählende sagen: Ich gebe dir jetzt hier ein ganz wertvolles rohes Ei in die Hände und geh ganz sorgsam damit um. Weil eine Lebensgeschichte natürlich auf eine gewisse Form auch zerbrechlich sein kann aufgrund ihrer Inhalte. Und deshalb ist es für mich als Audiografin eine große Verantwortung, mit dieser Geschichte so gewissenhaft auch umzugehen.

00:04:15: Ilka Seehausen Und diese ganzen Sensibilisierungen im Rahmen der Ausbildung sind so unglaublich wichtig. Viele besitzen diese Sensibilisierung schon, denn wir bringen ja für gewöhnlich schon ein gewisses Paket mit, wenn wir uns dazu entschließen. Zumindest kann ich das von mir aussagen.

00:04:48: Ilka Seehausen Ein weiterer besonderer Moment war für mich, als ich die Musik mit eingespielt habe. Ich hatte tatsächlich das Glück zu erfahren, welche Musik und Lieblingsgruppen mein Portrait hat. Denn die tolle Frau, die mir ihre Geschichte erzählt hat, war in dem Fall eine, hatte eine lebensverkürzende Diagnose und war bereits während der Entstehung der Audiografie verstorben. Und das Raussuchen der richtigen Musik hat mit mir auch etwas gemacht. Denn in Verbindung mit der Lebensgeschichte nimmt die Musik einfach einen ganz anderen Raum ein.

00:05:28: Ilka Seehausen Sie nimmt eine ganz andere Bedeutung auch ein. Weil es einfach einen Zusammenhang oft dann in der Musikauswahl auch gibt.

00:06:06: Ilka Seehausen Als wir mit der Audioproduktion begonnen haben, habe ich im ersten Moment gedacht: Oh mein Gott, so viele Spuren, und behältst du den Überblick? Aber ich kann tatsächlich sagen: Ja, das funktioniert, das geht sogar ganz wunderbar. Es gibt ein paar Hilfsmittel, die da sehr praktisch sind. Also es funktioniert tatsächlich und war sehr, sehr, sehr, sehr spannend mit jedem einzelnen Kapitel hatte ich das Gefühl zu wachsen, weil ich gemerkt habe, wie gut es funktioniert. Es gab natürlich auch einmal einen ganz kurzen Moment der Schnappatmung, tatsächlich, als ich feststellte, hier stimmt irgendwas nicht.

00:06:41: Ilka Seehausen Aber ich glaube, das gehört einfach dazu. Das muss auch sein, weil wir sind ja eben nicht fehlerfrei und wir lernen. Wir sind ja in der Ausbildung und in dem Fall war es für mich der technische Part. Und der Augenblick zu merken, okay, jetzt ist wieder alles gut und alles ist wunderbar. Das macht einfach Spaß.

00:07:00: Ilka Seehausen Du willst weitermachen. Für mich war das teilweise so ein bisschen, als ich konnte gar nicht aufhören. Und ich glaube, wenn ich nicht zwischendrin hätte arbeiten müssen, ganz regulär, und schlafen müssen, ich glaube, dann hätte ich einfach weitergemacht, weil es mir in den Fingern gekribbelt hat. Ich konnte gar nicht anders.

00:07:30: Ilka Seehausen Aufregend ist für mich immer noch der Blick auch auf meine Pinnwände, die ich hier habe, denn ich habe mein erstes Porträt, mein Ausbildungsporträt, hier nach wie vor tatsächlich an meiner Pinnwand, weil es mir etwas ganz Besonderes zeigt. Die Zusammenstellung der Kapitel mit einzelnen Themen ist so ein bisschen, ja, im übertragenen Sinne so ein bisschen wie die Kreativität eines Autors, der in dem Fall seine eigene Geschichte zwar schreibt, aber in diesem Fall darf ich Lebensgeschichte oder Abschnitte einer Lebensgeschichte zusammenfügen, die noch mal etwas besonders aufzeigen. In diesem Zusammenhang kommen natürlich auch die Kapitel Titel, die auch einen ganz, ganz wichtigen Part bei mir eingenommen haben, denn es ist unheimlich spannend, einen Titel zu bekommen oder sich zu überlegen, der in diese Geschichte passt, der inspirierend ist, neugierig macht. Und dann der Moment festzustellen: Ja, ich habe genau die richtigen Titel gewählt. Das ist so ein unfassbares Glücksgefühl und ein Stolz, der mich da erfüllt hat, weil ich nicht diesen Stolz an mich als solches gerichtet hatte, sondern im Fokus auf diese Geschichte als Topping einfach zu sagen: Wow, genau das muss dahin und genau das muss so tituliert werden.

00:09:05: Ilka Seehausen Und das Gefühl im Anschluss, dass alles auf einmal so stimmig ist und so klar ist, ist ein ganz großartiger Moment.

00:09:24: Ilka Seehausen Der für mich vorfinale Moment war der Augenblick, als ich dann das Cover erstellt habe und die Kapitelübersicht. Denn jetzt war ich— ich bin jetzt gerade ganz kurz vor diesem Augenblick, wo ich weiß, jetzt kommt der Zeitpunkt, wo ich es übergeben werde. Ich erinnere mich noch daran, als ich das erste Mal auf meine MP3s geguckt habe. Meine fertig überarbeiteten Kapitel. Da habe ich gedacht: Das ist ja irre!

00:09:51: Ilka Seehausen Das hast du jetzt alles schon fertig? Das gibt's doch fast nicht! Das hätte noch mal was ganz Besonderes! Ich weiß, ich habe den USB-Stick in den Händen gehalten und für mich war das so etwas Wertvolles, denn ich wusste, dass wenn diese MP3s, diese Kapitel auf diesem Stick sind, ist es das Wertvollste für Menschen, die als Hinterbliebenen jetzt das letzte Geschenk ihrer Mama haben, und das wird es so nie wieder geben.

00:10:25: Ilka Seehausen Das fertige Porträt inklusive einer schönen Box, einem tollen Titelbild mit allem Drum und Dran hatte so was Magisches. Zumindest fühlte sich das für mich so an und bekam es auch gesagt, dass sie unheimlich dankbar sind, dass sie das von ihrer Mama jetzt in den Händen halten dürfen.

00:10:54: Ilka Seehausen Der Augenblick des letzten Ausbildungsgespräches, des Videocalls, war für mich eher der Augenblick, wo ich gedacht habe, das kann doch jetzt nicht einfach zu Ende sein, weil mich die ganze Ausbildung so inspiriert hat und so viel mit mir gemacht hat, mich bewegt hat, mich fasziniert hat, mit der kompletten Unterstützung, die ich durch Ingo hatte, dass ich einfach gedacht habe, das kann nicht aufhören. Und natürlich hört es auch nicht auf, weil jetzt geht es ja eigentlich erst richtig los. Aber ich habe ein unglaubliches Glücksgefühl empfunden, weil ich das Gefühl hatte, also irgendwer hat mir aufgrund des Impulses, dass ich diese Ausbildung gestartet habe, hat mir persönlich ein so großes Geschenk gemacht, ja, dass es mich sprachlos gemacht hat. Und ganz offiziell in dem Moment sagen zu dürfen, auch nach außen: Jetzt bin ich Audiografin. War seit langem der magischste Moment, den ich spüren durfte, und der war großartig.

Über diesen Podcast

In seinen Audiografien begegnet Ingo Stoll Menschen, die ihre Lebensgeschichte erzählen. Häufig geht es darum, dass diese Erzählungen in den Familien nicht verloren gehen. Manchmal geht es aber auch nur darum, für sich zu erzählen und das eigene Leben als Ganzes zu reflektieren.

Ingo Stoll, Deutschlands erster Audiograf, begleitet die Menschen und führt die Gespräche in seiner einfühlsamen Art. Sofern möglich, werden die Geschichten auch öffentlich geteilt. Dann sind sie hier zu hören.

Darüber hinaus bietet der Audiografie-Podcast noch Raum für die vielfältigen Facetten der audiografischen Portraits: Reisegeschichten, Event-Audiografien, Unternehmensgeschichten, thematische Features uvam.

von und mit Ingo Stoll

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